Philosophie

Göttin Tara

Tara ist eine Gottheit des im alten Indien entstandenen tantrischen Buddhismus. Ihr Name stammt von der Sanskritsilbe „tra“ ab. Übersetzt als „beschützen“ oder „retten“ verleiht sie dem Namen Tara die Bedeutung der „Befreierin“. Ihre Weisheit wird als Mutter aller Buddhas verehrt und ist Vorbild für weises und gütiges Handeln.

Sie verbreitet die Lehre Buddhas in steter Wachsamkeit des tätigen Mitgefühls und trägt sie voller Liebe an die Menschen heran.
Die Darstellungen der Tara in verschiedenen Erscheinungsformen und Farben symbolisieren ihre Eigenschaften und ihre Wirkungskräfte. So steht die Weiße Tara für eine Göttin der Heilkunst und des langen Lebens.

Sabine Boyens-Hansen schreibt in ihrem Artikel Tara, die ‚Befreierin‘ für den Buddhismus Heute, dass „Tara als ein alles durchdringendes Prinzip im Spiel des Geistes mit sich selbst erlebbar ist. Dessen Wahrheitsnatur kann in den verschiedensten Kulturen dieses Zeitalters gefunden werden. So schien der Name Tara ein von Indien bis Irland bekannter indoeuropäischer Name für die Urgöttin Erde zu sein.“

Auch in dem Donner-Gott Taran des alten Wales, in der altgriechischen Festlichkeit „Taramater“ zur Ehrung der Erdgöttin oder im Taran-Tara der Fanfaren, das ursprünglich als magischer Schrei die Einheit von weiblicher und männlicher Gottheitsnatur bezeichnete, manifestierte sich dieses Prinzip.

Einer Legende nach war Tara – geboren als Königstochter Yeshe Dawa – die erste Frau, die vollständig erwachte. Sie versprach, keine Speisen mehr zu sich zu nehmen, bevor sie nicht Millionen von Menschen vom Leid befreit und auf den Weg der Erleuchtung geführt hätte. Als ein Schüler Buddhas ihr wünschte, sie möge als Mann wiedergeboren werden, versprach sie fortan nur als Frau auf die Erde wiederzukehren, um auf diese Weise das universelle Prinzip von Einheit aufzuzeigen und alle Schüler von der Identifikation mit dualistischem Denken zu erlösen. Denn unter dem Aspekt von Einheit gibt es keine Unterschiede zwischen Mann und Frau.

In der Meditation können Gottheiten wie Tara als innere Schaubilder genutzt werden, um durch Ihre Lichtenergie gleiche Kräfte zu erlangen. Sie existieren nicht von außen als Schutzpatronen, sondern sind Bilder für ein erleuchtetes Sein und Symbole der Transzendenz. Diese sind nicht übers Denken zu verstehen, sondern über die Kraft der Visualisierung. Da unser Selbstbild begrenzt ist, bedarf es viel Energieumwandlung für das Erlangen von Freiheit. Es ist eine Entscheidung gegen die Begrenztheit und für die eigene Größe. Der Geist ist die wirkliche Kraft, nicht das Materielle. Die Macht des Materiellen kommt vom Geist. Mit der Meditation und der Tara-Yogapraxis versuchen wir Konditionierungen zu durchbrechen und verwandeln unser Bewusstsein in die Gottheit.